Phishing: 7 typische Fallen – und wie du sie erkennst

Phishing ist keine „Hacker-machen-Magie“-Sache. Es sind meistens ganz normale Mails, SMS oder Anrufe, die dich zu einem Klick, Login oder einer Zahlung bringen sollen. Oft so gut gemacht, dass man kurz schluckt – und genau dann passiert’s.
Hier sind 7 typische Phishing-Fallen, die du im KMU-Alltag immer wieder siehst – und woran du sie schnell erkennst.
1) „Dein Passwort läuft ab – jetzt sofort handeln“
So klingt’s: „Dein Microsoft-/Mail-Konto wird gesperrt. Bestätige dein Passwort.“
Woran du’s erkennst:
- Druck („sofort“, „letzte Chance“)
- Link führt auf eine Login-Seite, die fast echt aussieht
- Absender passt nicht 100% zur Firma (kleine Abweichungen)
So reagierst du:
- Nicht auf den Link klicken
- Stattdessen direkt über deine bekannte Adresse (z.B. office.com) einloggen oder IT anrufen
2) „Rechnung / Offerte / Mahnung im Anhang“
So klingt’s: „Bitte Rechnung prüfen. Anbei PDF.“
Woran du’s erkennst:
- Du erwartest keine Rechnung von diesem Absender
- Dateiname ist generisch („Invoice_2026.pdf“, „Scan.pdf“)
- Oft ist es gar kein PDF, sondern z.B. „.html“, „.zip“ oder „.exe“
So reagierst du:
- Anhang nicht öffnen
- Absender über bekannte Nummer/Adresse verifizieren (nicht über die Mail antworten)
3) „Chef-Mail“: Überweisung oder Gutscheine
So klingt’s: „Ich bin im Termin. Bitte überweise sofort 9’800 CHF“ oder „Kauf schnell 10 Apple-Gutscheine“.
Woran du’s erkennst:
- Ungewöhnlicher Auftrag, ungewöhnliche Eile
- Bitte um Geheimhaltung („sag niemandem was“)
- Absenderadresse ist ähnlich, aber falsch
So reagierst du:
- Immer Rückruf oder 4-Augen-Prinzip bei Zahlungen
- Interne Regel: Geld/ Gutscheine nie nur per Mail freigeben
4) „Paket / Post / Zoll: Zustellung fehlgeschlagen“
So klingt’s: „Paket kann nicht zugestellt werden. Bitte 2.90 CHF zahlen.“
Woran du’s erkennst:
- Du hast nichts bestellt oder die Mail kommt „random“
- Link führt auf eine Zahlungsseite
- Sprache/Design wirkt „fast“ richtig, aber nicht ganz
So reagierst du:
- Sendungen nur über die offizielle Website/ App prüfen
- Keine Kartendaten über Mail-Links eingeben
5) Gefälschte Login-Seiten (Microsoft 365, SharePoint, Dropbox)
So klingt’s: „Du hast ein Dokument erhalten – melde dich an.“
Woran du’s erkennst:
- Link sieht komisch aus (lange URL, fremde Domain)
- Login-Seite fragt „ungewöhnlich viel“ oder wirkt leicht unscharf
- Du wirst nach dem Login nochmal nach Passwort gefragt
So reagierst du:
- Linkadresse prüfen (Mouse-over am PC)
- Wenn unsicher: Mail weiterleiten an IT / Security-Kontakt
MFA schützt, aber ersetzt nicht das Denken (Phisher nutzen auch „MFA-Fatigue“, siehe Punkt 7)
6) „Wir haben dein Konto gehackt“ (Erpressungs-Mail)
So klingt’s: „Wir haben dich aufgenommen. Zahle in Bitcoin.“
Woran du’s erkennst:
- Viel Drama, wenig konkrete Details
- Oft ist es eine Massenmail mit alten, geleakten Passwörtern
So reagierst du:
- Nicht zahlen
- Passwort ändern (falls es wirklich mal irgendwo gleich war)
- IT prüfen lassen, ob es echte Hinweise gibt
7) MFA-Phishing & „MFA-Müdigkeit“ (Push-Spam)
So läuft’s: Du bekommst plötzlich viele Login-Bestätigungen aufs Handy („Genehmigen?“).
Woran du’s erkennst:
- Du hast dich gar nicht eingeloggt
- Es kommen mehrere Push-Anfragen hintereinander
So reagierst du:
- Immer „Ablehnen“
- Sofort Passwort ändern und IT informieren
- Optional: „Nummern-Matching“ oder strengere MFA-Regeln aktivieren
Der 30-Sekunden-Check: bevor du klickst
Wenn du nur eine Routine mitnimmst, dann diese:
- Erwarte ich das wirklich?
- Passt der Absender zu 100%? (nicht nur der Name)
- Wohin führt der Link? (Domain prüfen)
- Wird Druck gemacht? („sofort“, „dringend“, „geheim“)
- Im Zweifel: verifizieren. Rückruf über bekannte Nummer.
- Wenn du reingefallen bist: sofort richtig handeln
Passiert den Besten. Wichtig ist, schnell zu reagieren:
- Internet/WLAN nicht zwingend trennen – aber IT sofort informieren
- Passwort ändern (von einem sauberen Gerät)
- MFA-Pushs ablehnen
- Wenn Zahlung: Bank sofort kontaktieren
- Mail in Quarantäne / bei allen löschen lassen
Fazit
Phishing wird immer besser – aber du musst nicht jede Masche kennen. Wenn du Druck, ungewöhnliche Anfrage und komische Links ernst nimmst und bei Zahlungen ein 4-Augen-Prinzip hast, bist du schon sehr gut geschützt.
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